Existenzgründung

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Freiberuflichkeit

Hier erfährst du die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Freiberuflichkeit in Hamburg.

Wer ist Freiberufler?

Freiberufler ist, wer

  • selbstständig und eigenverantwortlich tätig ist
  • und eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit ausübt.

Der Katalog freier Berufe (§18 Abs. 1 Nr. 1 EStG) bietet eine gute Orientierung, ist aber nicht abschließend. Im Einzelfall und bei Unklarheiten entscheidet das Finanzamt. Die Bestimmung und die Abgrenzung zu einem normalen Gewerbe ist dabei nicht immer ganz eindeutig.
Wenn jemand zum Beispiel als Coach tätig ist und zusätzlich auf seiner Homepage Onlinekurse verkauft, muss man beide Tätigkeiten unterscheiden. Der Verkauf von Onlinekursen ist eine gewerbliche Tätigkeit und erfordert eine Anmeldung beim Gewerbeamt mit separater Buchführung und separatem Konto. Als Coach hingegen geht man einer freiberuflichen Tätigkeit nach. Gewerbeanmeldung mit eigenem Konto und Buchführung sind nicht erforderlich.
Denn: Als Freiberufler ist es nicht notwendig ein Gewerbe anzumelden. Man muss aber das Finanzamt über die Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit informieren.


Wie melde ich meine freiberufliche Tätigkeit an?

Freiberufler sind von der Eintragungspflicht beim Gewerbeamt und beim Handelsregister befreit. Gründer, die eine freiberufliche Tätigkeit anmelden, können sich aber freiwillig eintragen lassen.

Freiberufler müssen sich spätestens vier Wochen nach Aufnahme ihrer Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt melden, um einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung anzufordern und auszufüllen. Eine hilfreiche Anleitung zum Ausfüllen gibt es hier.

In diesem Prozess erteilt das Finanzamt dem Freiberufler eine Steuernummer.

Außerdem ist interessant, dass nur Gewerbetreibende zur Zahlung der Gewerbesteuer verpflichtet sind. Somit brauchen jene, die eine freiberufliche Tätigkeit anmelden, für diese Tätigkeit keine Gewerbesteuer zahlen.

Standeskammer für kammerpflichtige Freie Berufe

Oftmals gibt es berufsständische Kammern, auch Standeskammern genannt, bei denen sich der Freiberufler registrieren muss, wenn er eine freiberufliche Tätigkeit anmelden möchte. Kammerpflichtige Freie Berufe sind:

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker
  • Notare, Rechtsanwälte, Patentanwälte
  • Steuerberater, Wirtschaftsprüfer
  • Architekten, beratende Ingenieure

Weitere Informationen dazu bietet die Neugründungsstelle des zuständigen Finanzamtes.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

  • Gründungszuschuss: Eine Möglichkeit der finanziellen Unterstützung ist der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Man kann ihn beantragen, wenn man Anspruch auf das Arbeitslosengeld hat. Er wird in zwei Phasen ausgezahlt. In der ersten Phase, die sechs Monate dauert, gibt es eine Förderung in der Höhe des Arbeitslosengeldes – das sind in der Regel 60 Prozent des letzten Gehaltes. Außerdem gibt es 300,- Euro als Zuschuss für die Sozialabgaben. Danach können weitere 300,- Euro pro Monat genehmigt werden, für die restlichen sechs Monate. Mehr Informationen finden sich unter anderem auf der Seite der Arbeitsagentur.
  • Kredit: Außerdem kann man einen Gründerkredit bei der KfW-Förderbank aufnehmen. Die staatliche KfW-Bank hat den öffentlichen Auftrag, Existenzgründer durch Kredite finanziell zu unterstützen. Den Gründerkredit beantragt man über die Hausbank. 
  • Nebenberuflich starten: Viele Freiberufler arbeiten nebenberuflich und starten zum Beispiel während des Studiums. Wer nicht mehr studiert, kann auch parallel zum Job seine Freiberuflichkeit aufbauen. Eine Nebentätigkeit muss dem Arbeitgeber aber in der Regel angezeigt werden.

Welche Versicherungen brauchen Freiberufler?

Krankenversicherung für Freiberufler

Seit der Verabschiedung der Gesundheitsreform im Jahr 2009 besteht eine allgemeine Versicherungspflicht, die auch für alle Freiberufler gilt. Bei der Krankenversicherung kann zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung gewählt werden. Im Zuge dessen sollten Freiberufler auch das Krankentagegeld bzw. das Krankengeld prüfen, um vor einem Verdienstausfall in Folge einer langen Krankheit oder eines Unfalls abgesichert zu sein.

Es lohnt sich die verschiedenen Angebote der jeweiligen Krankenkassen zu vergleichen, um das für Ihren Bedarf optimalste Angebot zu finden.

Rentenversicherung

Für Freie Berufe, die einer Standeskammer zugeordnet sind, ist auch die Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk der Kammer verpflichtend. Durch die Mitgliedschaft werden Beiträge für die Rentenversicherung fällig.

Zusätzlich zu den kammerpflichtigen Freien Berufen gibt es weitere Freie Berufe, die Pflichtzahlungen an die Rentenversicherung leisten müssen. Der Grund ist, dass sie als besonders schutzbedürftig gelten. Gemeint sind Freiberufler wie Lehrer, Hebammen, Seelotsen oder Küstenschiffer. Natürlich können alle übrigen Freiberufler auch freiwillig in die Rentenversicherung einzahlen oder eben privat für die Rente vorsorgen.

Künstlersozialkasse für Künstler und Publizisten

Freiberufler wie Künstler und Publizisten werden über die Künstlersozialversicherung in die gesetzliche Sozialversicherung integriert. Hier erhalten freiberuflich Tätige ihre Leistungen aus der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Die Künstlersozialkasse ist somit die Krankenkasse der Freiberufler. Dazu gehören:

  • Künstler - Personen, die Musik, darstellende oder bildende Kunst schaffen, ausüben oder lehren
  • Publizisten - Personen, die als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch aktiv sind

Künstler und Publizisten sind in der Künstlersozialkasse bei folgenden Voraussetzungen pflichtversichert:

  • Der Mindestverdienst der Freiberufler muss bei 3.900 € jährlich liegen - Ausnahmen gibt es für Existenzgründer innerhalb der ersten drei Jahre.
  • Die Versicherung für Freiberufler bei der Künstlersozialkasse ist nur möglich, wenn maximal ein Arbeitnehmer beschäftigt wird.

Der Beitrag wird dabei zur Hälfte vom Freiberufler erbracht. Die andere Hälfte setzt sich zusammen aus einem Zuschuss des Bundes und einer Abgabe von Unternehmen, wie Verlage, Rundfunkanstalten und Galerien, die künstlerische und publizistische Leistungen verwerten.

Berufsgenossenschaft für freie Berufe

Auch Freiberufler müssen sich bei einer Berufsgenossenschaft eintragen. Die Berufsgenossenschaften in Deutschland sind Unfallversicherungsträger für Unternehmen und deren Beschäftigte. Ihre Aufgabe ist es, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Außerdem unterstützt die Berufsgenossenschaft Unternehmen beim Arbeitsschutz und bietet Schulungen für die Versicherten an. Im Falle eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit betreut sie den Versicherten mit verschiedenen Maßnahmen. Freelancer müssen sich innerhalb einer Woche nach Start der freiberuflichen Tätigkeit dort anmelden.

Unfallversicherung für Freiberufler

Die Berufsgenossenschaften sind Mitglieder und somit Träger der „Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung“. Wie für Existenzgründer und Selbstständige besteht für den größten Teil der Freiberufler eine Versicherungspflicht. Von der Verpflichtung eine Unfallversicherung für Freiberufler abzuschließen sind folgende Gruppen eigens befreit:

  • Zahnärzte, Tierärzte sowie selbstständig tätige Ärzte
  • Psychotherapeuten, Apotheker sowie Heilpraktiker

Die von der Pflichtversicherung ausgenommenen Berufsgruppen haben die Möglichkeit eine private Unfallversicherung für Freiberufler abzuschließen oder sich freiwillig bei der gesetzlichen Unfallversicherung zu versichern.

Haftpflichtversicherungen für Freiberufler

Freiberufler sollten sich über eine Betriebshaftpflichtversicherung und/oder eine Berufshaftpflichtversicherung informieren. Je nach Branche gehören gewisse Haftpflichtversicherungen (wie z.B. bei einigen Berufen die Vermögensschadenhaftpflicht) quasi zur Grundausstattung.