Erfolgsgeschichte von Nadiia Kaminska
Ich bin 53 Jahre alt und kam im März 2022 mit meiner Familie aus der Ukraine nach Hamburg. In meiner Heimat habe ich eine Ausbildung zur Pflegefachfrau absolviert und anschließend Pharmazie studiert. Viele Jahre habe ich sowohl als Pflegefachfrau in der Chirurgie als auch als Apothekerin gearbeitet. Seit März 2025 arbeite ich in der gastroenterologischen Abteilung des Asklepios Westklinikums und absolviere dort das Anerkennungsverfahren als Pflegefachfrau.
Mein Start in Hamburg
Wie bei vielen Menschen aus der Ukraine war mein Weg nicht einfach. Mein jüngerer Sohn und ich wurden von unseren Verwandten aufgenommen, die seit über 30 Jahren in Hamburg leben. In den ersten Tagen in Hamburg war ich oft niedergeschlagen, denn mein ältester Sohn konnte nicht mit nach Deutschland kommen und ich hatte das Gefühl, meinen Verwandten zur Last zu fallen. Aber die größte Hürde war es, die deutsche Sprache zu lernen. Am Anfang hörte sich Deutsch für mich wie Vogelgesang an – schön, aber unverständlich.
Das HWC hat mir einen Platz im Sprachkurs organisiert und allein das Gefühl, wieder einen klaren Plan zu haben, hat mir sehr geholfen. Ja, ich bin 53 Jahre alt und musste eine ganz neue Sprache lernen, aber dank des täglichen Deutschlernens habe ich viel erreicht. Mein Lernprozess war langsam, aber mit jedem neuen Wort begann ich, mehr zu verstehen.
Trotz des Schmerzes über den Verlust geliebter Menschen und täglicher Schwierigkeiten gehe ich meinen Weg weiter. Ich bin wieder selbstständig und frei - und ich kann anderen Menschen in einer schwierigen Lebensphase helfen.
Mein persönlicher Tipp für alle, die neu anfangen
Das Leben ist unvorhersehbar. Manchmal muss man plötzlich sein Heimatland verlassen und in ein anderes Land ziehen. Dabei verändert sich nicht nur der Ort, sondern auch der Mensch selbst. Mein eigenes Motto lautet inzwischen: „Wir müssen die Realität akzeptieren und weitermachen, uns weiterentwickeln.“
Ich rate Neuankömmlingen, jeden Tag Deutsch zu lernen – das Gelernte zu wiederholen und immer wieder zu erweitern. Ich weiß, dass viele Menschen Angst haben, Deutsch zu sprechen, aus Furcht, ausgelacht zu werden. Aber man muss trotzdem sprechen – zuerst mit einfachen Sätzen, später mit komplexeren.
Es ist auch wichtig, Museen, Ausstellungen, Parks oder Sportvereine zu besuchen, denn das hilft nicht nur beim Lernen der Sprache, sondern baut auch Stress ab und bringt mehr Freude ins Leben. Hamburg ist eine wunderbare Stadt, voller Überraschungen und Entdeckungen.
Mein Weg in den Job: Wie mir das HWC den Einstieg erleichtert hat
Als ich nach Hamburg kam, war ich unsicher und ratlos. Ich hatte eine medizinische Ausbildung und einen Studienabschluss in Pharmazie, wusste aber nicht, wie ich meine Qualifikationen anerkennen lassen konnte. Mein Ziel war es, wieder als Pflegefachfrau zu arbeiten. Dann hat mir eine Verwandte das HWC empfohlen.
Hier wurde ich herzlich empfangen und ein russischsprachiger Mitarbeiter hat mir sogar dabei geholfen, meine berufliche Situation zu schildern. Eine Mitarbeiterin vom Jobcenter im HWC hat mit mir zusammen einen klaren Plan für meine nächsten Schritte erstellt. Das hat mir sehr geholfen!
Zunächst habe ich einen Integrationskurs besucht, anschließend folgte der B2-Kurs für Gesundheitsberufe, den ich trotz großer Herausforderungen erfolgreich abgeschlossen habe. Parallel dazu unterstützte mich die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) dabei, das Anerkennungsverfahren als Pflegefachfrau zu starten. Ein weiteres Team, der Labour Market Service, half mir, meine Bewerbungsunterlagen für den deutschen Arbeitsmarkt zu erstellen. In dieser Zeit habe ich auch Jobmessen und vom HWC organisierte Arbeitgeberveranstaltungen besucht.
Auf einer Jobmesse für Gesundheit und Pflege kam ich mit dem Westklinikum Asklepios in Kontakt und bewarb mich dort als Pflegefachfrau. Nach einem Bewerbungsgespräch und Probetagen erhielt ich schließlich einen Arbeitsvertrag. Dort absolviere ich nun den praktischen Teil meiner Anerkennung und den theoretischen Teil parallel an einer Akademie. Mein Ziel ist es, bis Ende 2025 als vollständig anerkannte Pflegefachfrau in Deutschland arbeiten zu können.
Ich bin stolz darauf, dass ich Arbeit habe und dass ich mittlerweile mit meinen Patienten kommunizieren und ihnen helfen kann.
Ich möchte meinen tiefsten Dank an alle aussprechen, die mir in dieser schweren Zeit meines Lebens geholfen haben! Es ist sehr, sehr wichtig, die Unterstützung von Fachleuten zu spüren. Das gibt mir Sicherheit und bewahrt mich davor, falsche Entscheidungen zu treffen und dadurch Enttäuschungen zu erleben. Denn der seelische Zustand eines Menschen ist in schwierigen Zeiten besonders wichtig.
Was das HWC für mich bedeutet
Hat Ihnen diese Geschichte Mut gemacht?
Das Hamburg Welcome Center ist eine zentrale Anlaufstelle rund um Anliegen der beruflichen Integration für Menschen, die nach Hamburg zuwandern oder zugewandert sind, sowie für Unternehmen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.