Erfolgsgeschichte von Mahfouz Abdulla
Ich komme aus Syrien und bin 25 Jahre alt. Nach meinem Bachelorstudium der Anglistik In meinem Heimatland habe ich zunächst als Englischlehrer gearbeitet und später als Personalverantwortlicher für rund 70 Mitarbeitende. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, was ich will: Menschen begleiten und unterstützen. Seit 2023 lebe ich in Hamburg und verfolge dieses Ziel weiter. Momentan besuche ich zweimal pro Woche vormittags einen C1-Deutschkurs und parallel dazu einen IT-Kurs im Bereich Webdesign. Ab August 2026 absolviere ich eine dreijährige Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im öffentlichen Dienst der Stadt Wedel.
Mein Start in Hamburg
Nach einer schweren Entscheidung, meine Heimat Syrien zu verlassen, bin ich Ende September 2023 in Hamburg angekommen. In Syrien habe ich ständig unter Druck gelebt, wodurch ich gelernt habe, robust zu sein. Denn ich hatte keine andere Wahl, als weiterzumachen.
Einmal ist eine Bombe in Aleppo neben unserem Universitätsgebäude eingeschlagen. Wenige Tage später mussten wir eine wichtige Semesterprüfung ablegen. Viele Kommilitoninnen und Kommilitonen konnten das nicht, weil sie entweder körperlich verletzt oder seelisch nicht in der Lage waren. Ich brauchte viel Willenskraft und Entschlossenheit und habe an den Prüfungen teilgenommen. Am Ende war ich sogar einer der Besten.
Genau diese Haltung habe ich nach Hamburg mitgebracht. Von dem Moment an, in dem ich hier ankam, war mir klar: Ein neues Kapitel beginnt und ich werde alles dafür geben. Oder, wie man auf Deutsch sagt, ich werde mich ins Zeug legen, die Redewendung mag ich sehr.
Vieles war neu für mich. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Denkweise und die Abläufe. Die Bürokratie zum Beispiel spielt in Deutschland eine wichtige Rolle. Das musste ich erst verstehen und lernen, wie man damit umgeht.
Ich wollte mich auf das Deutschlernen konzentrieren, weil die Sprache der Schlüssel zu allem ist. Weil ich mir im Ankunftszentrum ein Zimmer mit zwölf fremden Menschen ein Zimmer teilen musste, habe ich so viel Zeit wie möglich in Bibliotheken verbracht.
Heute teile ich mir ein Zimmer mit vier Menschen und ab Juni 2026 hoffe ich auf ein eigenes Zimmer in einem Studentenwohnheim. Ich freue mich sehr darauf, dort bald zum Beispiel Maqluba zu kochen, ein beliebtes Gericht in Syrien. Oder Joggen zu gehen, um die neue Nachbarschaft zu entdecken.
Mein persönlicher Tipp für alle, die neu anfangen
Einfach anfangen! Ich glaube an intensive Arbeit, Disziplin, Willenskraft und daran, dass man an sich selbst glauben muss. Einmal hat mir eine Beraterin gesagt, es sei ein Unterschied, was man träumt und was die Realität ist. Sie hat versucht, mich zu demotivieren, aber es hat nicht funktioniert.
Rede mit Deutschen aber auch mit Menschen aus anderen Ländern. Ich selbst habe in Hamburg Freunde aus Deutschland, der Türkei, Brasilien, Afghanistan, der Ukraine und der Schweiz gefunden. Kommunikation ist wichtig, Toleranz gegenüber anderen ist wichtig.
Lern Deutsch. Geh raus. Bewirb dich, auch wenn du denkst, nicht alle Qualifikationen zu erfüllen. Mach es einfach. Immer und immer wieder.
Mein Weg in den Job: Wie mir das HWC den Einstieg erleichtert hat
2024 habe ich durch die Empfehlung einer Freundin das erste Mal vom Hamburg Welcome Center gehört. Kurz darauf hatte ich mein erstes Gespräch mit einem Berater der Agentur für Arbeit vor Ort. Er hat mich ernst genommen und mir immer wieder gesagt: „Ich glaube an Sie" und „Sie schaffen das auf jeden Fall!“. Seine Beratung war pragmatisch, logisch und sehr gezielt auf meine Qualifikationen gedacht. Das gefällt mir. Er ist heute ein Vorbild für mich. So ein Berater möchte ich auch sein, wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe.
Ich konnte einen Integrationskurs besuchen, den ich erfolgreich abgeschlossen habe. Bei der Abschlussprüfung „Leben in Deutschland" habe ich die volle Punktzahl erreicht, was mich noch heute sehr stolz macht. Danach folgte mit Unterstützung der Agentur für Arbeit ein B2-Berufssprachkurs. Auch diese Abschlussprüfung „Deutsch-Test für den Beruf B2" habe ich fast mit der maximalen Punktzahl bestanden, nur drei Punkte haben gefehlt. Für diese Prüfung habe ich täglich zwölf Stunden gelernt.
Der Berater hat mich auch auf weitere Angebote des Hamburg Welcome Centers aufmerksam gemacht, darunter die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA). Die Beraterin der ZAA hat mich dort umfassend über das Anerkennungsverfahren meines Anglistik-Bachelors und meines Abiturs aus Syrien informiert und mir gezeigt, was ich konkret tun musste.
Darüber hinaus wurde ich an die Servicestelle Ausbildung und Beruf von AWO AQtivus verwiesen. Meine Beraterin dort hat mich immer wieder ermutigt, viele Bewerbungen zu schreiben. Sie hat mir ehrliches und aufbauendes Feedback gegeben, auch wenn ich eine Ablehnung bekommen hatte.
Von ihr habe ich gelernt, dass man durch Ablehnungen wachsen und Erfahrungen sammeln kann. Innerhalb von drei Monaten habe ich 100 Bewerbungen in 70 deutschen Städten geschrieben. Die harte Arbeit hat sich gelohnt und ich konnte mir einen Ausbildungsplatz als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Wedel sichern. Nur zwei Tage nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich die Zusage.
Dann kam ein weiteres Team im HWC in einem sehr schwierigen Moment hinzu. Nur drei Tage vor meiner B2-Prüfung habe ich von der Ausländerbehörde eine Mitteilung mit der Ankündigung einer Abschiebung bekommen. Ich war baff, denn ich hatte einen Asylantrag gestellt. Das war stressig. Ich musste gleichzeitig lernen und mit dieser Mitteilung umgehen. Die Beraterin von der Servicestelle Ausbildung und Beruf von AWO AQtivus hat mich sofort an das Team für ausländerrechtliche Beratung und Clearingstelle weitergeleitet.
Das Team konnte alles klären: ich habe nun eine Duldung bis Juli 2027 und hoffe sehr auf eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Ausbildung.
Anders als die eine Beraterin, die mir früher einmal gesagt hat, ich würde in Deutschland keine vernünftige Arbeit finden, waren die Menschen im Hamburg Welcome Center offen und motivierend. Ohne das HWC hätte ich die Zusage für die Ausbildung nicht erhalten. Das HWC hat mich vorbereitet und begleitet bei allem, was wichtig war und was ich brauche.
Ich, als pragmatischer, logischer Mensch, bin überzeugt: nirgendwo habe ich eine so strukturierte Unterstützung erhalten wie beim Hamburg Welcome Center.
Was das HWC für mich bedeutet